Vom Einführungs- in den Transformationsmodus: Eine Anleitung für Führungskräfte zur strategischen KI-Befähigung der Belegschaft

Die zentrale Herausforderung für Führungskräfte ist nicht mehr, ob KI die Produktivität steigert, sondern wie die gewonnene Zeit so reinvestiert wird, dass Produktivität zu echtem Geschäftserfolg führt.

Der Schlüssel liegt darin, die Organisation konsequent auf das KI-Zeitalter auszurichten und Mitarbeitende vom reinen Anwender zum „Augmented Strategist“ weiterzuentwickeln.

Produktivität transformieren und echten ROI generieren

Führungskräfte stehen laut einer aktuellen Workday-Studie vor der Herausforderung, die Arbeitswelt neu zu gestalten. Der Schlüssel liegt darin, Produktivitätssteigerungen nicht nur in messbaren Geschäftserfolg zu überführen, sondern auch die menschliche Verbundenheit zu stärken.

Weltweit befragte Fachkräfte bestätigen die enorme Dynamik: 85 Prozent der Beschäftigten sparen durch den Einsatz von KI bereits Zeit. Allerdings fliessen rund 40 Prozent dieser gewonnenen Zeit direkt wieder in die Überprüfung, Korrektur und Nachbearbeitung der KI-Ergebnisse.

Die ROI-Chance liegt in der Transformation: Obwohl KI Aufgaben schneller erledigt – und somit das leistet, was von ihr verlangt wurde –, schafft Geschwindigkeit allein noch keinen echten Wert. Aktuell geben nur 14 Prozent der Beschäftigten an, durch KI zuverlässig klare, positive Ergebnisse zu erzielen.

Diese Diskrepanz zwischen Aufwand und tatsächlicher Wirkung liegt nicht am Versagen der Technologie, sondern daran, dass viele Unternehmen noch im reinen Einführungsmodus statt im notwendigen Transformationsmodus verharren.

Den „KI-Friction“ beherrschen und strategisches Kapital freisetzen

Derzeit werden rund 40 Prozent der durch KI gewonnenen Zeit für die Überprüfung, Korrektur und Nachbearbeitung der Ergebnisse aufgewendet. Anstatt diese "Reibung" hinzunehmen, sollte man sie als gespeicherte strategische Energie freisetzen. Dies kann erreicht werden, indem Verifizierungs- und Kontextlücken geschlossen werden.

  • Zunächst müssen klare KI-Protokolle etabliert werden, die definieren, dass die KI ein extrem schneller, aber kontextfreier Assistent ist. Von den Teams soll verlangt werden, ihre Zeit nicht in die Faktenprüfung von Standardinhalten, sondern in die strategische Verifizierung und das Einbetten in den Unternehmenskontext zu investieren.

  • Zweitens muss Context-Coaching gefordert werden, um die Mitarbeitenden darin zu schulen, ihre wertvollste Aufgabe zu erkennen: das Hinzufügen von institutionellen Sensibilitäten, Unternehmensgeschichte und impliziten Regeln. Es muss klargestellt werden, dass der KI-Output immer nur das 80%-Gerüst ist, damit sie sich auf die kritischen 20% des strategischen Mehrwerts konzentrieren.

  • Des Weiteren ist es wichtig, den Prompt-Iterationszyklus zu verkürzen. Hierfür sollte eine "Stopp-Regel" definiert werden, die besagt, dass keine unnötige Zeit in das Feilen an Prompts investiert werden soll, um ein Ergebnis zu erzwingen. Wenn die Iteration länger dauert als die manuelle Erledigung der Aufgabe, muss der Prozess gestoppt werden. Stattdessen sollte zur schnellen Generierung erster Ideen und zum anschliessenden Einsatz menschlichen Urteilsvermögens für die substanzielle Lösung ermutigt werden.

Strategische Investition von Effizienzgewinnen ermöglichen

Die grösste Gefahr im Umgang mit gewonnener Zeit ist die sofortige Wiederauffüllung mit nicht-strategischer Routinearbeit. Dies führt zu einer Produktivitätsillusion. Echte Wertschöpfung entsteht durch die explizite Allokation der freigesetzten Kapazitäten für menschlich einzigartige Fähigkeiten:

Die Entwicklung von Urteilsvermögen und Kontextverständnis zur Leistungserwartung erheben:

  • Zeit für Urteilsvermögen einfordern: Die Reinvestition der Zeit muss als explizite Leistungserwartung in Zielvereinbarungen und Mitarbeiterentwicklungsgesprächen verankert werden. Es geht darum, die freigesetzte Zeit für strategische Weiterbildung, die intensive Auseinandersetzung mit komplexen, mehrdeutigen Problemen, und das Schärfen des tiefen Kontextverständnisses der Organisation und des Marktes zu nutzen.

  • KI macht schneller – Urteilsfähigkeit und kritische Reflektion machen wertvoll. KI kann Inhalte schnell generieren, aber nur die menschliche Urteilskraft kann deren Relevanz, ethische Implikationen und strategischen Mehrwert beurteilen. Die Zeit muss in die Meta-Ebene der Arbeit fliessen: Was soll getan werden, warum und wie passt es zur Gesamtstrategie?

Der Einsatz von KI verschiebt den kognitiven Fokus von der reinen Ausführung und Content-Erstellung hin zu Aufgaben mit höherer Komplexität und Verantwortlichkeit:

Freiräume als Arbeitszeit deklarieren und systematisch planen:

  • Infrastrukturelle Verankerung: Es müssen systematisch und kalendarisch verankerte Freiräume für kollaborative Vernetzung, interdisziplinäre Strategieentwicklung, kreative Innovation und tiefgehende Reflexion geschaffen werden. Diese Zeit darf nicht als "Puffer" für operative Ad-hoc-Aufgaben dienen, sondern muss als zentrale Wertschöpfungsaktivität betrachtet werden.

  • Qualitätsverantwortung übernehmen: Die KI-generierte Entwurfs- oder Rohfassung verlagert die Rolle des Mitarbeiters. Anstatt Zeit in die Erstellung von Inhalten zu stecken, muss der Fokus auf die Übernahme der Qualitätsverantwortung liegen: Validierung, Plausibilitätsprüfung, ethische und strategische Feinjustierung, sowie die Integration des Ergebnisses in das grosse Ganze. Dieser Schritt erfordert ein höheres Mass an kritischem Denken und weniger an repetitiver Ausführung.

Die Reinvestition der KI-gewonnenen Zeit ist somit nicht nur ein Effizienzthema, sondern eine strategische Notwendigkeit, um die menschliche Arbeitskraft dort zu konzentrieren, wo KI sie nicht ersetzen kann: in der Entwicklung, der kritischen Beurteilung, der Innovation und der Gestaltung der Zukunft.

Metriken neu definieren: Denken in Wirkung

Die Lücke zwischen Aufwand und Wirkung ist das eigentliche ROI-Problem. Führungskräfte müssen veraltete Metriken ablösen, um den Fokus auf nachhaltige, qualitätsorientierte Ergebnisse zu lenken.

Erfolgsmessung anpassen:

  • Im operativen Bereich (Output): Anstatt die Gesamtproduktion zu messen, sollte viel mehr gemessen werden, wie viel beim ersten Versuch korrekt war. „First-Pass-Yield“ ist die entscheidende Kennzahl.

  • In der Entscheidungsfindung (Outcome): Nicht die Geschwindigkeit der Bearbeitung sollte als primärer Indikator herangezogen werden. Stattdessen sollte die Qualität der getroffenen Entscheidungen und die tatsächliche Annahme der bereitgestellten Features gemessen werden (Feature-Adoption).

Durch die Anpassung dieser Metriken wird die kognitive Energie der Teams freigesetzt. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, wie viel schneller Teams arbeiten können, sondern wie sie die gewonnene Zeit am sinnvollsten für den Geschäftserfolg einsetzen.

Zum „Augmented Strategist“ werden

Echte Produktivitätsgewinne entstehen, wenn die durch KI eingesparte Zeit bewusst reinvestiert wird, um nachhaltigen Mehrwert zu schaffen. Die erfolgreichsten Mitarbeitenden – oft als „Augmented Strategists“ bezeichnet – nutzen die gewonnene Zeit nicht, um einfach mehr Aufgaben zu erledigen, sondern um bessere Arbeit zu ermöglichen und die Qualität zu steigern.

Sie reinvestieren die gewonnene Zeit in ihr Urteilsvermögen: in strategische Weiterbildung, in die Weiterentwicklung ihrer Entscheidungsfähigkeit und in ein geschärftes Kontextverständnis. Denn während KI Prozesse beschleunigt, ist es die menschliche Urteilskraft, die langfristig den Unterschied macht.

Es ist entscheidend, bewusst Freiräume zu schaffen: Man sollte Zeit für Vernetzung, Strategieentwicklung und Innovation einfordern und nutzen. Wer die durch Automatisierung gewonnene Zeit sofort wieder mit Routinearbeit füllt, neutralisiert den kreativen Hebel, den KI bietet. Die Automatisierung sollte dazu dienen, den kognitiven Fokus von der reinen Content-Erstellung hin zur Übernahme der Qualitätsverantwortung zu verlagern.

Fazit für Führungskräfte: Die notwendigen Schritte

Die Analyse zeigt, dass eine erfolgreiche KI-Integration einen Wandel in der Führungsphilosophie erfordert. Damit das volle Potenzial von KI ausgeschöpft werden kann, sind diese drei Punkte entscheidend:

  1. Rollen neu definieren:
    Jobrollen sollten schnell und konsequent aktualisiert werden, um sie an neue KI-Fähigkeiten anzupassen. Teams sollten nicht so geführt werden, als hätte sich die Arbeit nicht verändert. Statt starrer Hierarchien gilt es, flexible, kollaborative Organisationsmodelle zu fördern, in denen sich Menschen auf wertschöpfende Kundenarbeit konzentrieren.

  2. Gezielt in Menschen investieren:
    Neben Technologieausgaben sollte mindestens ebenso stark in die Entwicklung und Weiterbildung der Belegschaft investiert werden. Der echte ROI entsteht dort, wo Technologie- und People-Strategie Hand in Hand gehen und gemeinsam dazu beitragen, die Qualifikationslücke zu schliessen.

  3. Potenziale freisetzen:
    Durch klare Leitplanken und gezielte Weiterbildung kann Überlastung – insbesondere bei besonders aktiven KI-Nutzenden zwischen 25 und 34 Jahren – reduziert werden. So lässt sich die derzeitige Nacharbeitslast in Kreativität, Innovation und zukunftsgerichtete Führungskompetenz transformieren.


Dieser Artikel wurde geschrieben von Workday. Weiterführende Artikel zum Thema:


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