Skills sind die neue Währung auf dem Arbeitsmarkt

Ein Gespräch mit Cornel Müller, Gründer und Lead-Investor der Work-ID AG über den Arbeitsmarkt, Skills-basierte Rekrutierung und wie Unternehmen mehr Klarheit über Skills im Unternehmen gewinnen.

Cornel Müller ist Gründer und VR-Mitglied der Future of Work Group AG und seit über 30 Jahren als Unternehmer im WorkTech-Umfeld aktiv. Sein neuster Coup ist die Work-ID - der digitale Skills-Ausweis für die Schweizer Arbeitswelt, der dokumentiert, was Menschen wirklich können – unabhängig von Lebensläufen oder formalen Qualifikationen.

Cornel, was ist das grösste Problem am heutigen Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmen?

Im 4. Quartal 2025 gab es gemäss Jobradar der x28 AG über 220’000 offene Jobs in der Schweiz. Gleichzeitig ist es sehr schwierig, in gewissen Berufen und Branchen Stellen zu besetzen. Menschen und Unternehmen finden nicht zusammen. Unternehmen schreiben Stellenanzeigen aus. Darin steht nur teilweise, was jemand können muss. Viel öfter, welche Abschlüsse jemand mitbringen muss. Darauf bewerben sich Menschen mit einem Lebenslauf. Dieser zeigt alles Mögliche – auch sehr persönliche Angaben, die für den Job irrelevant sind – nur nicht die Skills, die eine Person mitbringt. Unternehmen übersehen dadurch jeden Tag Menschen, die genau die Skills hätten, die sie suchen.

Ausserdem ändern sich Anforderungen an Unternehmen und Mitarbeitende derzeit extrem schnell. Laut World Economic Forum müssen bis 2030 rund 59% der Arbeitnehmenden weitergebildet werden, um im Unternehmen bleiben zu können.

Was braucht es, damit sich das ändert?

Wir müssen uns auf das fokussieren, was Menschen wirklich können. Skills sind greifbar, vergleichbar und zukunftsorientiert. Und wenn wir zusätzlich berücksichtigen, was jemandem wichtig ist, steigen die Chancen auf einen richtig guten Match massiv. Denn: Skills alleine reichen nicht, wenn die Werte nicht zusammenpassen.

Wie helfen Work-ID und Skills-Manager konkret dabei?

Arbeitnehmende und Jobsuchende erfassen ihre Skills und Werte in der Work-ID. Die Work-ID kannst du dir wie eine digitale ID für die Arbeitswelt vorstellen. Sie wächst ein Berufsleben lang mit. Der Skills-Manager macht sichtbar, welche Skills in einem Unternehmen vorhanden sind.

Wie läuft das in der Praxis ab?

Ein Unternehmen lädt seine Mitarbeitenden ein, ihre Work-ID zu erstellen. Daraus ergibt sich ein aktuelles Skills-Inventar. Zusätzlich können auch ehemalige Mitarbeitende, Second-Best-Kandidat/innen oder externe Kontakte eingeladen werden, dem Talentpool beizutreten. Wenn dann eine neue Stelle frei wird, kann zuerst dieser Pool durchsucht werden – oft findet sich dort schon die passende Person. Ohne neue Ausschreibung, ohne Umweg.

Hast du ein Beispiel aus der Praxis?

Mein Lieblingsbeispiel: Uhrenmacher/innen haben es heute schwer, einen Job zu finden. Die Uhrenindustrie in der Schweiz schwächelt nicht erst seit gestern. Aber Uhrenmacher/innen haben genau die Skills, die auch in der Medizintechnik gebraucht werden.

Was ist dein Ziel?

Ich wünsche mir einen Arbeitsmarkt, in dem Skills und die Menschen dahinter sichtbar werden. Wir wollen, dass Unternehmen erkennen: Die besten Matches entstehen, wenn man auf das schaut, was wirklich zählt. Und das sind Skills.

Wie kann ein Unternehmen loslegen?

Ganz einfach: Für Menschen gibt es die App unter work-id.ch. Das Beste: Deine Work-ID ist anonym und sie gehört dir. Du bestimmst, wer deine ID sehen kann. Arbeitgeber finden den Skills-Manager unter skills-manager.ch.


Neugierig mehr zu erfahren über Skills und die Work-ID?

Am 16. März 2026 findet im Kaufleuten Festsaal die skillSPOT statt - ein Event rund um Skills.


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