COLABOR Workshop – Selbstorganisation verstehen: Praxis, Austausch und konkrete Tools
Beim COLABOR Workshop „Von Mythen zu Methoden – Eine Einführung in Selbstorganisation“ wurde in interaktiver Form sichtbar, was es bedeutet, selbstorganisiert zu arbeiten. In einem Mix aus Impulsen, Gruppenarbeit und Praxisstationen nahmen rund 20 Teilnehmende unterschiedliche Aspekte selbstorganisierter Zusammenarbeit in den Blick: Rollen, Entscheidungsprozesse, Transparenz und Reflexion.
Der Workshop wurde vom COLABOR Team konzipiert, organisiert und durchgeführt, namentlich durch Denise Jentsch (waldner partner), Lena Schwerzmann (SPOT ON), Marcel Baumgartner (Fachhochschule Nordwestschweiz), Ulrike Preissner (Great Place to Work) und Samuel Maurer (life time health).
Die Teilnehmenden zeigten sich besonders begeistert vom praxisnahen und interaktiven Austausch, der greifbar machte, was Selbstorganisation im Arbeitsalltag konkret bedeutet – ohne Hype oder Beschönigung, aber mit klarem Fokus auf den Mehrwert für Einzelpersonen und Organisationen.
Selbstorganisation: von Mythen zu Methoden
Zu Beginn wurde Selbstorganisation nicht als abstraktes Konzept, sondern anhand zentraler Spannungsfelder eingeführt:
Wo liegen Unterschiede zwischen Hierarchie und Netzwerk?
Wie verändern sich Rollen und Verantwortlichkeiten?
Welche Entscheidungslogiken helfen Teams wirklich?
Welche Bedeutung haben Offenheit und Transparenz?
Die Input-Sequenz machte deutlich, dass Selbstorganisation nicht „Chaos“ oder Führungslosigkeit bedeutet, sondern eine andere Form von Ordnung, die bewusst aufgebaut werden kann – durch Rollen, Prozesse und klare Prinzipien.
Praxisstationen: Austausch und vertieftes Arbeiten
Drei thematische Stationen bildeten das Herzstück des Workshops. Die Gruppenarbeit war geprägt von konkreten Fragen, gelebtem Austausch und praktischen Perspektiven.
Struktur und Rollen – Session mit Marcel Baumgartner
Marcel Baumgartner zeigte auf, wie klassische Hierarchien durch kreisbasierte Strukturen und Rollen ersetzt werden können, ohne Orientierung zu verlieren. Rollen wurden dabei nicht als Ersatz für Linienpositionen verstanden, sondern als klar definierte Verantwortlichkeits- und Handlungsräume.
Zentrale Erkenntnisse aus dieser Session:
Selbstorganisation bedeutet nicht weniger Struktur, sondern eine andere Struktur. Rollen schaffen Klarheit darüber, wer wofür zuständig ist, und ermöglichen Zusammenarbeit ohne informelle Machtverschiebungen. Führung wird nicht abgeschafft, sondern verteilt und neu gestaltet.
Entscheiden in selbstorganisierten Kontexten – Session mit Samuel Maurer
In der Entscheidungs-Session machte Samuel Maurer erlebbar, wie Konsent-Entscheidungen funktionieren. Im Unterschied zum klassischen Konsens liegt der Fokus nicht auf vollständiger Zustimmung aller, sondern darauf, dass keine schwerwiegenden Einwände mehr bestehen.
Konsent ermöglicht damit handlungsfähige Gruppen ohne Blockadelogik und unterstützt iterative Lernprozesse. Ergänzend wurden weitere Entscheidungsmethoden eingeordnet, etwa autarke Entscheidungen mit Beratungsprozess oder systemisches Konsensieren, je nach Tragweite und Kontext der Entscheidung.
Die Teilnehmenden diskutierten, wie Entscheidungsprozesse in selbstorganisierten Teams transparent, effizient und gleichzeitig gut mitgetragen gestaltet werden können.
Lohntransparenz und Fairness – Session mit Ulrike Preissner
Ulrike Preissner thematisierte die Bedeutung von Transparenz im Kontext von Entlohnung. Im Fokus standen Gründe für Lohntransparenz als Grundlage von Vertrauen und Fairness sowie Erfahrungen auf dem Weg zu einer offeneren Lohnkultur.
Ein zentrales Beispiel war der jährliche Lohnpitch, bei dem Mitarbeitende ihre Löhne selbst begründen und mitgestalten können. Der Prozess umfasst Pitch-Videos, Feedback im Circle, Diskussionen zur Fairness und eine finale Abstimmung durch ein Compensation & Benefits Committee.
Diese Praxis machte deutlich, dass Selbstorganisation auch tief verankerte Fragen von Verantwortung, Gerechtigkeit und Transparenz betrifft – und dass solche Themen aktiv gestaltet werden müssen.
Take-aways aus dem Workshop-Austausch
Mehrere Kernerkenntnisse zogen sich durch alle Sessions:
Selbstorganisation besteht aus Haltung, Struktur und Prozessen – nicht nur aus Methoden. Klare Rollen und Verantwortlichkeiten sind Grundpfeiler tragfähiger Zusammenarbeit. Entscheidungsprozesse brauchen Transparenz, Regeln und Reflexionsräume. Und Themen wie Fairness oder Konflikte werden nicht „gelöst“, sondern kontinuierlich gestaltet.
Der interaktive Charakter des Workshops ermöglichte es den Teilnehmenden, diese Fragen nicht nur zu diskutieren, sondern anhand konkreter Praxisbeispiele zu erleben und auf den eigenen Kontext zu übertragen.
Weiterführende Ressourcen
Zur Vertiefung wurden konkrete Literaturhinweise geteilt, insbesondere:
Bernd Oestereich & Claudia Schröder – „Organisiert euch einfach!“
Ein praxisnaher Einstieg in Selbstorganisation, Rollen und kollegiale Führung.
👉 https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1074587910
Eine Übersicht weiterer Publikationen zu diesen Themen ist hier zu finden:
👉 https://kollegiale-fuehrung.de/buecher/
Fazit
Der COLABOR Workshop zeigte, wie Selbstorganisation praxisnah, interaktiv und reflektiert erarbeitet werden kann. Ohne Beschönigung, aber mit klarem Fokus auf konkrete Werkzeuge und Denkanstösse wurde erlebbar, worauf es beim Aufbau selbstorganisierter Zusammenarbeit wirklich ankommt – sowohl für Einzelpersonen als auch für Organisationen insgesamt.
Die Veranstaltung machte deutlich: Selbstorganisation ist kein Selbstläufer, sondern lernbar, gestaltbar und besonders dort wirksam, wo sie im Alltag konkret wird.