Leinen los für Lohntransparenz

Interview with Judith Oldekop

Du bist sehr mutig und hast in deiner DisruptHR-Rede deinen Lohn genannt. Ein Tabu! Wie haben die Leute darauf reagiert? 

Ich fand es gar nicht so mutig, weil mein Lohn absolut Standard ist für meine Position und meine Branche. 

Ok, es ist in unseren Breitengraden (noch) etwas Besonderes, sich auf die Bühne zu stellen und es laut auszusprechen. 

Die Rückmeldungen waren sehr positiv und meine Haltung bestärkend. Ich gehe aber davon aus, dass sich nur die bei mir gemeldet haben, die meine Meinung zu transparenter Lohnpolitik teilen.

Ist es nicht so, dass Firmen je nach Lohnverhandlungsgeschick der Kandidaten die Löhne drücken? 

Ja, das ist so. Oder umgekehrt. Das ist das Problem. Der Lohn ist dann abhängig vom Verhandlungsgeschick. Das mag für Menschen, die im Einkauf oder Sales arbeiten eine positive Eigenschaft sein. 

Aber für viele Jobs benötigt man diese Kompetenz nicht und wird dann dafür mit einem schlechteren Lohn "bestraft", wenn die Firma nicht fair ist. 

Ist es schlicht idealistisch von dir zu glauben, Arbeitgeber wollen “faire” Löhne bezahlen?

Ja, das mag sein. Ich habe auch aus Idealismus heraus Jura studiert. Was heisst fair? Die Frage kann man sich auch stellen. 

Auf jeden Fall ist es nicht fair, wenn der Lohn vom Rekrutierungsprozess abhängt und nicht von Know-How, Verhalten und Leistung der Mitarbeitenden. 

Und im Rekrutierungsprozess, der heute immer schneller von statten geht, kann man diese Eigenschaften nicht so leicht identifizieren.

Was hältst du von den riesigen Lohnschwankungen je nach Branche? HR-Leiter*innen in der Biochemie verdienen fast doppelt so viel wie im Detailhandel.

Das ist tatsächlich rein nüchtern betrachtet unfair. Vielleicht sind einige Abläufe oder Prozesse in einigen Branchen komplexer oder komplizierter als in anderen. Ob es so eine grosse Differenz ausmacht, ist schwer zu glauben. 

Andererseits wäre es auch unfair, wenn man weniger verdient als die Peers, nur um sich anderen Branchen anzupassen. Die unterstützenden Einheiten dürfen nicht abgestraft werden, nur weil sie branchenübergreifend verglichen werden können. 

Branchen, die weniger gute Löhne zahlen können, müssen dann mit anderen “Perks” gute Mitarbeitende anlocken. Da gibt es ja gerade im Detailhandel viel Spielraum. Gleichzeitig ist es sehr reizvoll, dass man als HR Leiter*in auch die Branchen wechseln kann ;-)

Welche weiteren Tabus möchtest du in der Arbeitswelt brechen?

Ich finde, dass es beim Thema Lohntransparenz noch einiges zu tun gibt, gerade in Verbindung mit Lohngleichheit zwischen Geschlechtern oder zwischen In- und Ausländern. 

Ansonsten bin ich prinzipiell jemand, die im Allgemeinen transparente Kommunikation befürwortet, wo immer möglich. Das schafft Beziehungen auf Augenhöhe und eine wertschätzende Arbeitskultur.


SPOT ON organisiert die DisruptHR Events in Zürich.

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Judith Oldekop

HR Business Partner bei der Zürcher Kantonalbank

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